4i
Wie der Gestirne helle Schar x),
Die ihren Schöpfer wandelnd loben
Und führen das bekranzte Jahr 2). 4°5
Nur ewigen und ernsten Dingen,
Sei ihr metallner Mund geweiht3),
Und stündlich mit den schnellen Schwingen
Berühr' im Fluge sie die Zeit4).
Dem Schicksal leihe sie die Zunge; 4IQ
Selbst herzlos, ohne Mitgefühl,
Begleite sie mit ihrem Schwunge
Des Lebens wechselvolles Spiel5).
Und wie der Klang im Ohr vergehet,
Der machtig tonend ihr entschallt, 6) 4J5
1. Die „Gestirne" ~ Sterne, werden hier nach biblischer und an-tiker Auffassung als lebende Wesen gedacht. 2. Sie führen gleichsam das bekranzte Jahr im Reigen herauf. Die bekranzten Horen der Grie-chen (Zeitgöttinnen) tanzten um den Sonnengott Apoll, der in seinem Wagen um die Erde fuhr. (Denke an das Gemalde „Aurora" von Guido Reni — Rom). — 3. Die Glocke soll nur anregen zu ernsten Dingen, zu Gebet, Andacht u.s.w. 4. Hier wird die Glocke auch als Zeitmesser erwahnt. Es steht dahin ob „sie" oder „die Zeit" Subjekt ist. Annehmlich scheint, dasz die Zeit die Glocke berührt mit ihren rasch vorübergehenden Flügelschlagen (Schwinge = wiek, vleugel). 5. V. 410—413 ist eine (wenig glücklichere) Wieder-holung von dem, was in Betrachtung 2 V 37—40 steht. Nunwird die Glocke als herzlos, gefühllos dargestellt, in Betr. 2 als Begleiterin des Menschenlebens und als Verkünderin des Menschenschicksals. 6. Machtig und voll kommt der Ton aus der Glocke, aber allmahlich verhallt der Klang (sterft weg) und erinnert uns auf diese Weise an die Verganglichkeit. Ob wohl je ein andrer als S. durch das Verhallen der Glockentöne an die Verganglichkeit gemahnt wurde ?